30.10.2016
Film "A Good American"

Nachristendienste im Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Datenschutz

In Diskussionen um die öffentliche Sicherheit - insbesondere unmittelbar nach einem Terroranschlag - wird der Datenschutz oftmals als unnötiger Ballast oder gar als Behinderung der Nachrichtendienste dargestellt, die deren effektive Tätigkeit unmöglich macht. Dabei geht es doch im Datenschutz um die Wahrung von Bürger- und Menschenrechten, deren Verteidigung doch eigentlich die zentrale Aufgabe der Nachrichtendienste ist. Wie gehen Nachrichtendienste mit diesem Zielkonflikt um? Müssen wir uns zwischen Sicherheit auf der einen und Datenschutz auf der anderen Seite entscheiden?

 

Der Film „A Good American“ des österreichischen Regisseurs Friedrich Moser stellt einen wichtigen Beitrag zur Diskussion dieser Fragen dar. In dem Film geht es um William Binney, der über drei Jahrzehnte hinweg Analyst der National Security Agency (NSA) und zuletzt als Technischer Direktor und Chefentwickler eines Datenanalyse-Programm namens „ThinThread“ tätig war. Im Gegensatz zur heutigen Massenüberwachung basiert das Konzept von Binney auf einer Reduktion der Datenanalyse auf wenige Datenkategorien, die wirklich wesentlich sind (weniger ist mehr). Damit kann zum einen sichergestellt werden, dass die Analysten nicht in einer Datenflut ertrinken und voll lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Zum anderen kann durch diesen Ansatz das Prinzip der Datensparsamkeit realisiert werden. Obwohl das Programm in der Lage war, mit minimalen Daten in Echtzeit Hinweise auf potentielle terroristische Aktivitäten zu geben, wurde die Umsetzung des Konzepts von der NSA-Führung verhindert.

 

Am 3. November ist offizieller Start des Films in den Kinos. Am 15. November wird Herr Wilhelm im Stuttgarter Innenstadtkino EM2 vor Beginn der Vorführung des Films um 20:00 Uhr einen Kurzvortrag mit einigen Hintergrundinformationen zur Vorbereitung auf das Filmerlebnis halten. Eine weitergehende Veranstaltung findet am 16. Dezember unter seiner Leitung in Zusammenarbeit mit der Regionalgruppe Karlsruhe und weiteren Partnern im Zentrum für Kunst und Medien statt, in dessen Rahmen nicht nur der obengenannte Film gezeigt, sondern auch über die Rolle der Nachrichtendienste bei der Verteidigung unserer Werte sowie über das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Datenschutz diskutiert werden soll. Der Regisseur des Films hat sein Kommen zugesagt sowie Prof. Dr. Heckmann, 1. Vorsitzender der DGRI und Prof. Esslinger, Leiter des CrypTool Projektes. Die Veranstaltung ist von 15:00 Uhr bis 19:00 Uhr geplant und ist für alle Interessierten offen und kostenlos (aus Kapazitätsgründen ist jedoch eine Anmeldung erforderlich, die sie hier vornehmen können wird).


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